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Keltisches Sonnenrad

Die frühmittelalterlichen Tierstile der Germanischen Eisenzeit sowie der Wikingerzeit

Wer kennt sie nicht, den Jelling Stil, Mammen Stil, Urnes Stil und wie sie noch alle heißen. Hier mal eine paar Infos über die verschiedenen Tierstile des frühen Mittelalters.

Mit dem Begriff „Germanischer Tierstil“ wird in der Geschichte sowie in der Archäologie einer bekannten Kunstrichtung aus dem sehr frühen Mittelalter bezeichnet, die in fast ganz Europa sowie Skandinavien weit verbreitet war.

Bedeutend sind die Interpretation unnatürlicher und somit verschlungener Körper von Tierwesen und Menschen, wobei die Körper sehr oft gänzlich in Ihre Einzelteile zerlegt wurden, so dass das ursprüngliche Wesen mehrfach bis zur Unkenntlichkeit verwandelt wurde.


Nydamstil

Der Nydam-Stil ist nach der berühmten Entdeckung des Nydam-Schiffes in Norddeutschland benannt, das am Ende der Einwanderungszeit im frühen 5. Jahrhundert unter dem starken Einfluss der römischen Metallkunst der Provinz entwickelt wurde. Dieser Stil entstand von der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts und ging nur bis etwa zur 2. Hälfte.

Großen Einfluss auf den Nydamstil haben die mit floralem sowie geometrischem Verzierungen versehenen Flächen, die mit Ranken, Blättern und Mäandern gestaltet waren, wobei sich am Rand meistens Tierfiguren befanden. 

Grundsätzlich ist hierbei die Darstellung stilisierter und in sich verschlungener Körper von Tieren und Menschen, wobei die Leiber häufig komplett in Einzelformen zerlegt wurden, so dass das eigentliche Grundmotiv oftmals bis hin zur Unkenntlichkeit abgewandelt wurde.


Tierstil I
Der Tierstil I entstand etwa in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts und zwar sehr wahrscheinlich in Skandinavien, er verbreitet sich jedoch sehr schnell vom Rheinland über Süddeutschland sowie England nach ganz Mitteleuropa.

Anfangs waren es meistens vierfüßige Tiere, sowie Wassertiere. Diese waren sehr Naturgetreu abgebildet und deutlich voneinander abgegrenzt.

Diese Tiere waren größtenteils, wie bei den spät-römischen Kerbschnitt-Verzierungen, in hockender Haltung an den Rändern der dekorierten Gegenständen gestaltet. Im Unterschied zu dem Nydamstil finden sich diese Tiere jetzt als beherrschende Gestalt auf den Flächen. Außerdem sind sie jetzt durch eine Einfassung hervorgehoben.

Der Tierstil 1 zeichnet sich dadurch aus, dass die gesamte Oberfläche mit einer Vielzahl von menschlichen und tierischen Figuren besetzt war. Sie waren reine Fantasie Wesen. Es finden sich stilisierte Menschen und Tiere, die krabbelnd, gehend, vorwärts- oder rückwärts schauend standen. Es konnte Tierköpfe mit Schnäbeln wie Raubvögeln geben, mit einem Maul oder einer Schnauze wie Pferde oder mit weit geöffnetem Maul wie von einem Wolf

In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts verschwanden die Wassertiere völlig und von da an überwiegten die vierbeinigen Tiere.

Man unterteilt den Tierstil I in die Phasen A – D.

  • A: Übergangsstil zwischen Nydam- und Tierstil.

  • B: Die Tierkörper werden anhand schräglaufender Striche betont (vor allem in Ostskandinavien und Pannonien/Ungarn sehr verbreitet).

  • C und D: Verbänderung. Die Tierkörper werden mit mehreren nebeneinander liegenden Bändern dargestellt. In Phase D werden diese Bänder miteinander verschlungen. Vorkommen vor allem in Süd- und Westskandinavien und Süddeutschland (Alemannen).

Die Phasen B – D stellen keine zusammenhängende Vorgänge dar, jedoch kommen sie gleichzeitig vor, manchmal auch auf dem gleichen Objekt. Der Tierstil I wird spätestens im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts (Vendelzeit) langsam vom Tierstil II abgelöst, kommt neben diesem aber auch noch bis gegen Ende des 6. Jahrhunderts vor.

Flechtbandornamente / Knotenmuster

Dies sind Muster aus kompliziert ineinander verflochtenen Bändern und Linien. Die Knotenmuster kamen etwa zur selben Zeit wie der Tierstil I aus dem Osten nach Mitteleuropa. Flechtband-Verzierungen waren schon in der Spätantike und in römischen wie germanischen Gebieten zu finden (z. B. römische Mosaikfußböden, Holzschnitzereien aus dänischen Opfermooren)


Tierstil II

Ab ca. 570 n. Chr. bis ca. Mitte 8. Jahrhundert.

Wie der Tierstil II entstand, ist bis jetzt noch nicht mit Sicherheit geklärt.

Die schnelle Verbreitung des Tierstils II von Skandinavien über England bis nach Deutschland sowie Italien und die ausgeprägte Übereinstimmung der Motive über die ganze Zeit um 600 deuten für einen intensiven Kontakt mit sehr wahrscheinlich wandernder Handwerker.

Es ist auch nicht sicher, wo der Tierstil II zuerst entwickelt wurde. Eine Verbänderung und Verschlingung gab es schon im Tierstil I (Phase D), so dass es manchmal nicht einfach ist zu differenzieren, ob eine Abbildung noch Tierstil I oder schon II ist.

Man kann sagen, dass die früheren plastischen Reliefs durch flache Oberflächenmuster ersetzt wurden, die sowohl aus Tiermotiven als auch aus geflochtenen Band- oder Ranken Motiven bestanden. ​Ornamente im Stil II waren im Allgemeinen komplizierter als Ornamente im Stil I.

Es bestehen, wie beim Tierstil I, teilweise signifikante Variationen in der Qualität der Ausführung. Zum Teil erkannten einige Handwerker nicht mehr die Motive bei der Anfertigung einer Reproduktion und so kam es zu Missratenen Figuren, bei denen man die Tierwesen nur mittels besser gemachten Vorbilder erkennen kann. Unterschieden werden muss zwischen reiner Tierornamentik, bei der die Tiere im Vordergrund der Abbildung stehen und der Tierkörper komplett dargestellt ist, sowie Flechtbandmotiven, bei denen nur Tierköpfe verwendet wurden (vor allem im Laufe des 7. Jahrhunderts auf dem europäischen Festland).

Die Tierdarstellungen werden dem Flechtbandmuster völlig unterworfen. Die Tiere werden sehr stark verändert und sind nur noch schwer als solche zu erkennen. Zugleich sind die einzelnen Tiere stark miteinander verschlungen und verflochten. Vielfach wurden die Flechtbandornamente so komplex und fehlerhaft, dass sie nicht mehr klar auflösbar sind. Sie waren sehr abstrakt und können auf den ersten Blick nicht sofort als Tiere erkannt werden. 


Der Wikingerzeitliche Broa Stil

Dieser Kunststil ist der älteste Wikinger Stil, er wurde von circa 750 bis 825 n. Chr. angefertigt. Man ist sich nicht sicher, ob es sich bei dem Broa Stil nicht schon um den Oseberg Stil handelt.

Die Ornamente beider Stile haben eine gleichförmige Beschaffenheit. Menschen und Tiere werden nur als Silhouette dargestellt, die mit großen runden Augen versehen sind. Arme und Beine sind extrem verlängert und wickeln sich wie Ranken durch das gesamte Bild. Die Umrisse der Figuren sind wohlgestaltet und haben durchaus auch Kanten.

Die Formen des Broa-Stils
1. Zungen mit Doppel- oder Dreifachranke
2. Fest gewundene Rankenblätter
3. Im Profil dargestellter Kopf
4. Runde Augen
5. Runde, eng eingerollte Schnauze
6. Kleiner und leicht geschwungener Mund
7. Gebogene Hälse
8. Gliedmaßen als extrem verlängerte Ranken dargestellt
9. Die durchbrochene Hüfte löst sich in verschlungenen Rankenverflechtungen auf

Der Fluss der Formen

Gleichmäßige und fast kreisförmige Kurven

Die Umrisse der Motive

A. Einzelne Schlingen
B. Geschwungene Schlingen
C. Dreieckige Knoten
D. S-Formen

Die Muster des Broa Stils

  • Teilweise enge Verschachtelung mit nur wenig sichtbarem Hintergrund
  • Doppelte Kontur kann erkennbar sein
  • Meistens Einsträngige Bänder bei den Mustern
  • Es können zweisträngige Bänder vorkommen
Rundfibel im Broa-Stil aus Bronze
Rundfibel im Broa-Stil aus Bronze

Oseberg-Stil

In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts tauchten in Westskandinavien germanische Tierstile auf, die von spätantiker römischer Kunst, keltischen Motiven und den asiatischen Steppennationen (Skythen und Sarmaten) beeinflusst wurden.

Er zeichnet sich durch stilisierte Tierbilder aus und im Laufe der Zeit wurden die Proportionen und die anatomische Struktur des Tieres vollständig dekoriert. Am Ende des 7. Jahrhunderts wurden die letzten Stadien dieser Tierstile entwickelt, der Tierstil III oder Vendel E.

Dieser Stil ist nach einem Fund auf Gotland benannt worden, er wird auch als Stil der frühen Wikinger bezeichnet und ist nach Funden aus dem Schiffsgrab am Oseberg in Vestfold im Oslofjord benannt worden, das auf das Jahr 834 datiert ist.

Der Oseberg Stil ist ein frühe Stilrichtung der Wikinger, der von circa 800 bis 875 n. Chr. ausgeübt wurde. Benannt ist er nach dem Schiffsgrab von Oseberg, dem bedeutsamsten Fund dieser Stilrichtung. Kennzeichnend für diesen Stiltyp sind Ornamente mit zwei- oder dreisträngigen Bändern, die sich wie Ranken durch das Bild ziehen. Tiere oder Menschen werden immer noch mit großen runden Augen abgebildet. Die vereinzelten, identischen Verzierungen haben kurvige Silhouetten, die nur selten von härteren Kanten unterbrochen werden. Einige Tierstatuen wurden zu bandförmigen, verwickelten langen Statuen zusammengezogen.

Der Oseberg-Stil wurde an Gegenständen aus Holz und Metall, sowie an Schmuckstücken gefunden.

Die Formen des Oseberg-Stils

Gleich große hockende Tiere:
1. Zungenartige Endglieder
2. Runde Augen
3. Umrandung der Füße

Ein Zusammenspiel von geometrischen mit zoomorphen Formen:
4. In Ornamenten aufgeteilte Gliedmaßen

Es gibt drei Haupttypen von Tieren:
5. Vögel:
– Kopf im Profil
– Schnabel
6. Schnabel A:
– Kopf nach vorn gerichtet
– Von den Kopfseiten hervorstehende Wedel
7. Schnabel B:
– Kopf nach vorn gerichtet
– Die Oberseite des Kopfes endet in den Wedeln

Die Umrisse der Tierfiguren

Abgerundete Konturen mit gelegentlichen Knicken

Der Fluss der Formen

Ein Ineinandergreifen von Schlingen und wellenförmigen Kurven.

A. Einzelne Schlingen
B. Geschwungene Schlaufen
C. Brezelknoten
D. S-Formen

Die Muster des Oseberg-Stils

  • Enge Verschachtelung mit fast keinem sichtbaren Hintergrund
  • Doppelte Kontur
  • Einsträngige Bänder
  • Doppelsträngige Bänder
  • Dreilagige Bänder
  • Eine Kombination aus hohem und niedrigem Relief

Birka Fibel Swt


Berdalstil

800 – 850 n. Chr.

Einige Literaturstellen unterscheiden den tatsächlichen Oseberg-Stil vom Berdal-Stil, der nach dem Entdeckungsort in Norwegen benannt ist. Der Berdal-Stil „charakterisiert sich fast wie ein Comic-Tier, dessen Kopf und Gliedmaßen unverhältnismäßig zueinander sind.“ Insbesondere der Kopf war stark vergrößert.

Borrestil

Borrestil auch Greiftier-Stil genannt, ist eine stilistische Phase der frühmittelalterlichen Kunst, die aus dem 9. bis 10. Jahrhundert stammt. Es ist nach dem Dorf Borre in Horten, Norwegen, benannt. Dieser Stil zeichnet sich durch Tiere und Knotenornamente aus.

Es wurden in Skandinavien, auf den britischen Inseln und in Deutschland viele Fundstücke im Greiftierstil gefunden und belegen somit ihre weit verbreitete Verwendung. Neben den in Borre gefundenen Exponaten gelten Schnitzereien und Metallarbeiten aus Gokstads Grab als typische Produkte dieses Stils.

Forstsetzung folgt…..😉

 

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